Überspringen zu Hauptinhalt

Trekking im Alpaka-Land

Trekking im Alpaka-Land

5’150 Meter – das wird der höchste Punkt der Reise sein. Kein Problem, denke ich mir bei der Organisation der Reise resp. bei der Entscheidung, dass wir ausgerechnet dieses Trekking buchen. Nun, in Cuzco, der ehemaligen Hauptstadt der Inkas, ist es mir doch ein wenig mulmig zumute. Sorgen macht mir nicht der höchste Punkt der Reise, sondern die Übernachtungshöhen. Die erste Übernachtung erfolgt auf knapp 4’300 Metern, die nächsten drei Nächte dann auf 4’850, 4’730 resp. 4’985 Metern. Wie mein Körper darauf reagieren wird, ob ich auch genügend warme Kleider dabeihabe und weshalb nur ich meine Daunenhosen, genannt Schlafsack-Hosen, schlussendlich doch zuhause gelassen habe. Die letzte Nacht vor dem Trekking schlafe ich nicht gut und auch meinen Freunden geht es nicht anders. Obwohl wir eigentlich wissen, dass wir bestens akklimatisiert sind. Das A & O der Akklimatisation an die Höhe nämlich ist die schleichende, aber stetige Steigerung der Schlafhöhe. Wir sind seit über zwei Wochen im Hochland von Bolivien und Peru unterwegs, die ersten Tage noch auf 2’700 Metern, dann immer höher und nie mehr unter 3’400 Metern. Eigentlich sollte uns die Höhenkrankheit keinen Strich durch die Rechnung machen.

Am nächsten Morgen geht die Reise los. Drei Stunden dauert die Fahrt mit dem Auto von Cuzco bis zum Ausgangsort des Trekkings. Unterwegs gibt es einige Stopps, darunter auch bei verschiedenen kleinen Läden, an Hunger werden wir während der nächsten Tage bestimmt nicht leiden. Bevor wir loslaufen, gibt es ein Mittagessen zur Stärkung. Die Sonne der letzten Tage hat sich verabschiedet, es regnet leicht und ist kalt. Gut eingepackt laufen wir los und müssen nach kurzer Zeit bereits einige Schichten ablegen. Laufen macht warm, auch auf 4’300 Metern. Nach wenigen Kilometern erreichen wir die erste der vier Andean Lodges, die Chillca Tambo Lodge auf 4’350 Metern. Es erwartet uns ein komfortables Haus mit einigen wenigen Schlafzimmern mit Privatbad sowie einem grossen Aufenthaltsraum. Besonders beliebt sind die beiden Sofas beim Cheminée. An Komfort mangelt es nicht, die Betten sind bequem, von der Küchenmannschaft werden wir verwöhnt und unser Reiseleiter unterhält uns mit spannenden Geschichten, die sich um den Apu Auzangate, den heiligen Berg Auzangate ranken.

Alles bestens, wären da nicht die Folgen des unüblichen Wassertrinkens. Bis zu fünf Liter trinke ich pro Tag, um der Höhenkrankheit vorzubeugen. Ein Vielfaches mehr also, als ich es gewohnt bin. Entsprechend oft muss ich mich mitten in der Nacht überwinden, das warme Bett zu verlassen und bei Kerzenlicht ins Bad zu tappen… Das geht aber allen so, wie ich am nächsten Tag beim Frühstückstisch erfahre. Wasser trinken sei Dank, die Höhe bereitet mir keine Probleme. Höchstens ein leichter Druck im Kopf macht sich immer mal wieder bemerkbar, die Beine scheinen hier bedeutend schwerer zu sein als in den Schweizer Bergen und ab und zu schnaufe ich wie eine alte Loki.

Diese Beschwerden werden wettgemacht durch die traumhaft schöne Natur. Wir sind alleine auf weiter Flur. Nur ganz wenige andere Touristen kreuzen unseren Weg, diese aber auf konventionelle Art und Weise mit grossem Rucksack und Zelt unterwegs. Ich bin glücklich, dass ich am Abend nach den anstrengenden Wanderungen nicht selber kochen muss und ein bequemes Bett mit dicker Bettdecke auf mich wartet. Zurück zur Landschaft: der Apu Ausangate steht während der fünf Tage im Mittelpunkt. Er ist mit seinen 6’372 Metern einer der höchsten Berge Perus und der Schutzheilige der Region Cuzco. Der Berggott Apu ist Hauptwasserversorger, aus ihm wird der Fluss Vilcanota geboren, welcher sein Wasser in den Amazonas-Fluss trägt. Weiter schenkt er der lokalen Bevölkerung Heimat. Ein wichtiger Berg für die Einheimischen und auch uns zieht er in seinen Bann. Vor allem die Übernachtung in der zweiten Lodge, in der Machuracay Tambo, am Fuss des Bergs ist eindrücklich.

Was für mich die Reise aber wirklich unvergesslich und unvergleichlich schön macht, ist die stetige Präsenz von Lamas und Alpakas. Einerseits haben wir «eigene Lamas» dabei, diese nämlich tragen unser Gepäck und überholen uns jeweils im Verlauf des Vormittags. Wenn wir am Mittag hungrig beim Rastplatz eintreffen, sind die Lamas längst schon am Grasen. Zusätzlich aber begegnen wir auf unseren Wanderungen Hunderte wenn nicht sogar Tausende Lamas und Alpakas. In dieser Gegend leben die Einheimischen hauptsächlich von der Zucht der Tiere, welche zur Familie der Kamele gehören.  Immer wieder unterbrechen wir unsere Wanderung, um weitere Fotos und Filme zu machen. Wir können uns nicht satt sehen. Gegen Abend werden die Tiere zusammengetrieben und in Gehegen untergebracht. Ein wunderschönes Bild: die Einheimischen in ihren farbigen Kleidern, welche die zum Teil geschmückten Tiere die Bergflanken runter treiben.

Apropos Einheimische: allzu besiedelt ist die Gegend nicht. Zwei kleine Dörfer durchqueren wir auf unserer Wanderung, ansonsten gibt es einzelne Weiher oder allein stehende Häuser, wo die Hirten zum Teil mit ihren Familien leben. Es sind scheue, zurückhaltende Menschen, welche kaum oder zum Teil gar kein Spanisch sprechen. Mit Händen und Füssen ist eine Art Kommunikation aber möglich und Lächeln klappt immer.

Am letzten Tag des Apu Trail sind wir traurig, dass das Abenteuer vorüber ist, aber dankbar für all die schönen Erlebnisse und Begegnungen. Wir verabschieden uns von unserer Begleitmannschaft: dem Reiseleiter, dem Koch, dem Hausmädchen, den Lama-Treibern und auch von José. Er hat den mit Abstand geruhsamsten Job der ganzen Crew… er ist für das Emergency-Horse zuständig und folgt uns auf Schritt und Tritt. Unser Tempo ist gemächlich und wird häufig unterbrochen für Fotos, Wasser trinken und staunen, entsprechend oft legt sich José neben sein Pferd in den Rasen, lauscht aufmerksam dem mitgeführten Radio und kaut auf einem Grashalm. Qué vida.

Möchten Sie mehr über das Trekking erfahren? Kontaktieren Sie mich. Ich freue mich, Sie ins Land der Alpakas zu schicken.
Cristina Schelbert, Product Manager Dorado Latin Tours

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

SPAM Schutz *