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Reisebericht: Brasilien Kolonial
Reisebericht: Brasilien Kolonial Reisebericht: Brasilien Kolonial Reisebericht: Brasilien Kolonial Reisebericht: Brasilien Kolonial Ouro Preto

Brasilien Kolonial

Brasilianische Geschichte

Auf meiner Brasilienreise folge ich diesmal dem Ruf der Glücksritter und Goldschürfer in den Bundesstaat Minas Gerais. Fünf Fahrstunden nördlich von Rio de Janeiro liegt das koloniale Städtchen Tiradentes, mein erstes Ziel auf dieser Reise. Die Fahrt führt von Rio durch eine hügelige, grüne Landschaft tief ins Landesinnere. Tiradentes entpuppt sich als eine kleine, barocke Perle, mit unebenen Pflastersteinstrassen und weissgetünchten Gebäuden. Die Atmosphäre zieht mich sofort in ihren Bann und nach einem Caipirinha am geschäftigen Hauptplatz des Städtchens bin ich bereit für eine erste Besichtigung. Die Hauptsehenswürdigkeiten sind die Kirche «Matriz de Santo Antonio» und der alte Brunnen «Chafariz de São José».

Ouro Preto, Minas Gerais

Ouro Preto, Minas Gerais

Tiradentes ist aber nur eines der kolonialen Städtchen in Minas Gerais, welches durch die reichen Gold- und Edelsteinvorkommen im 19. Jahrhundert zu Reichtum kam. Vor allem Ouro Preto ist ein Besuch wert, aber auch in Mariana, Sao Joao del Rei und Congonhas findet man Zeugen dieser wohlhabenden Vergangenheit. Zahlreiche Kirchen wurden erbaut, reich ausgestattet mit Blattgold, aufwändigen Schnitzereien und Malereien. Es ist jedoch nicht dieser offensichtliche Reichtum, der mich berührt und verzaubert, sondern die Tatsache, dass die meisten dieser Kirchen auf eine liebenswürdige Weise unvollkommen sind und bereits einen unverkennbaren brasilianischen Einfluss haben. Die massiven Dächer lasten schwer auf den aus Holz erbauten Säulen und drücken die Wände der Kirchen gefährlich nach aussen. Der Bezug zur brasilianischen Geschichte wird vor allem auf den Abbildungen von Jesus Christus greifbar, welcher stets mit Blutergüssen am Hals dargestellt wird. Diese Wundmale erinnern an den wichtigsten Freiheitskämpfer des Staates Minas Gerais: «Tiradentes» (der Zahnzieher), welcher durch die Portugiesen zum Tod durch Erhängen verurteilt wurde.

Die allgegenwärtigste Persönlichkeit ist aber zweifellos Antônio Francisco Lisboa, besser bekannt als Aleijadinho (Krüppelchen). Er hat wie kein Zweiter die Kirchen dieser Region geprägt und war stets als Architekt oder Bildhauer an der Erschaffung der unzähligen Gotteshäuser beteiligt. Er tat dies obwohl er sich wegen seiner stark verkrüppelten Hände die Bildhauer-werkzeuge an seine Arme binden musste. Mein persönlicher Favorit unter all den Kirchen in Minas Gerais befindet sich in der Stadt Conghonas. Ein kurzer, steiler Weg führt an sechs Wallfahrtskapellen mit Szenen der Passionsgeschichte vorbei, hinauf zur Kirche «Bom Jesus de Matozinhos», vor welcher 12 aus Speckstein gemeisselte Apostel stehen. Die Besichtigung dieser Kirche sollte man sich keinesfalls entgehen lassen.

Natürlich möchte ich während meiner Reise ebenfalls erfahren, woher der Reichtum dieser Gegend stammt und besuche deshalb die älteste Goldmine in Brasilien, die «Mina da Passagem» auf halbem Weg zwischen Ouro Preto und Mariana. Ein kleines Museum vermittelt einen Eindruck davon, unter welch schwierigen Bedingungen und mit welchen Maschinen im 19. Jahrhundert nach Gold geschürft wurde. Anschliessend werde ich in einem abenteuerlichen, kleinen Wagen in den Untergrund von Minas Gerais gelassen. Nach einer halbstündigen Besichtigung der düsteren Minengänge bin ich allerdings froh, die kühle Dunkelheit wieder hinter mir lassen zu können.

Am letzten Tag meiner Entdeckungsreise durch Minas Gerais besuche ich das «Instituto Inhotim». In einer riesigen Gartenanlage wird zeitgenössische Kunst ab 1960 ausgestellt. Insgesamt sind es über 500 Kunstwerke, die man hier bestaunen kann. Die Sammlung enthält unter anderem Skulpturen, Installationen, Gemälde und akkustische Werke, die sowohl im Garten als auch in verschiedenen Pavillons ausgestellt werden.

Für mich ist der Besuch dieses Instituts der perfekte Abschluss einer interessanten Reise durch Minas Gerais, der mich aus der Zeit des brasilianischen Barock wieder in die Gegenwart zurückführt und aufzeigt, dass diese Region mehr als nur koloniale Schätze zu bieten hat.

Reiseempfehlung

Rundreise «Barocke Pracht in Minas Gerais»
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Reise-Erlebnis
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